Zurück zur inneren Ruhe

Das Leben macht nie Pause, ständig ist etwas zu erledigen. Für viele ist es schwierig, den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig private Sorgen und Probleme zu bewältigen. Nimmt der Stress überhand, stellen sich oft auch Gesundheitsbeschwerden wie Schlafstörungen, Schmerzen und Verspannungen ein. Höchste Zeit, etwas gegen den Überdruck zu unternehmen.

Jeder weiß es: Leistung zu erbringen, fällt nicht zu jedem Zeitpunkt gleich leicht. Die Psyche ist ähnlichen Schwankungen unterworfen wie die körperliche Leistungskraft. In der Arbeitswelt wird darauf allerdings wenig Rücksicht genommen, optimale Qualität und Terminerfüllung werden als selbstverständlich vorausgesetzt. Viele müssen ihre gesamte Energie dafür einsetzen, stets auf Top-Niveau zu sein. Internet und Rationalisierung haben den Druck noch einmal verstärkt. Kein Wunder, dass immer mehr Berufstätige unter diesem Druck zu leiden beginnen. In einer Umfrage der Techniker Krankenkasse sagen 57 Prozent der Befragten, dass sie häufig oder gelegentlich im Stress seien, für jeden Fünften ist Stress ein Dauerzustand. Auf die Frage, was die Arbeit so stressig macht, beklagen zwei Drittel der Berufstätigen, dass die Arbeitsmenge im Verhältnis zur Arbeitszeit zu groß sei. Auf Platz zwei der Belastungsfaktoren stehen Termindruck und Hetze. Auffällig ist allerdings, dass diejenigen am stärksten unter der Stressbelastung leiden, die keinen Spaß an ihrer Arbeit haben. Wer Freude an seinem Job und dem Arbeitsklima hat, ist oft erstaunlich stressresistent.

Moderner Stress: Pervertiertes Leistungsprogramm

Freude und Anerkennung scheinen die Schlüsselfaktoren zu sein, warum die Belastung von den einen als positive Herausforderung, von anderen als krankmachender Stress empfunden wird. Das zeigt sehr deutlich die Doppelnatur des Stressprogramms. Es handelt sich bei diesem Programm um ein uraltes, genetisch vorgegebenes Muster als Reaktion auf Alarm und Bedrohung. Bei einer plötzlichen, außergewöhnlichen oder gefährlichen Herausforderung schaltet der Körper in einen anderen Modus, der ihm eine reflexhafte und rasche Antwort ermöglicht. Alle Sinne und Nerven werden auf Hochspannung gepolt und die Energiereserven des Körpers mobilisiert, um sofort mit „Kampf oder Flucht“ reagieren zu können. Für unsere Vorfahren war das überlebenswichtig. Immer noch antwortet der Körper auf eine starke, angstmachende Belastung mit diesem „Turbo-Programm“, auch wenn der Kontext heute ein ganz anderer ist. Offensichtlich hat eine wichtige Präsentation oder eine drohende Deadline eine ähnliche Wirkung wie einstmals das Auftauchen eines Säbelzahntigers.

Die Erhöhung der Drehzahl, ausgelöst durch blitzschnell wirksame Stresshormone, ist jedoch nur für eine vorübergehende Leistungssteigerung angelegt. Ist die riskante Situation überstanden, kehrt der Körper allmählich wieder in den Normalzustand zurück – oder sollte es zumindest. Der gesunde und notwendige Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung ist heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich. Oft fehlen Zeit und Muße zur Erholung und der innere Daueralarm nimmt kein Ende. Nicht selten führt fehlende Anerkennung zu einer Frustration, die überhaupt erst das Gefühl von Stress aufkommen lässt. Besonders unheilvoll ist die Kombination von beruflichem Stress und privaten Problemen, etwa als Folge einer Mehrfachbelastung durch die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Wenn die Aufgaben nicht mehr erfolgreich gelöst und als persönlich befriedigend erlebt werden können, entfaltet das im Grunde nützliche Stressprogramm des Körpers zerstörerische Kräfte. Die Stressfolgen können sich dann in unterschiedlichen Symptomen äußern. Sehr häufig sind Schlafstörungen, Depressionen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm- oder Herz-Kreislauf-Probleme. Spätestens jetzt muss gehandelt werden.

Hilfe auf mehreren Ebenen

Selten kann man eine Stressproblematik ganz allein aus eigener Kraft bewältigen. Es ist daher sinnvoll, Rat zu suchen und Hilfe anzunehmen. Eine Lösung kann auf verschiedenen Ebenen gefunden werden. So sollte man Möglichkeiten schaffen, die äußeren Stressquellen zu entschärfen, z. B. indem man das Gespräch mit dem Vorgesetzten sucht, die Arbeit effektiver organisiert, Verantwortung abgibt, Aufgaben delegiert, mehr Freizeit für sich einfordert oder zwischenmenschliche Konflikte klärt. Zusätzlich zur Änderung der Stresssituation ist es ratsam, sich mit den eigenen inneren Stressmustern auseinanderzusetzen. In der Kindheit geprägte Leistungsmuster, überzogene Ansprüche an sich selbst oder eine Fehleinschätzung der eigenen Möglichkeiten stehen oft der Stressbewältigung im Weg. Ein psychologisches Verhaltenstraining kann hier helfen.

Nachhaltige Lösungsstrategien zu erarbeiten, ist sinnvoll, kann aber langwierig sein. Dagegen gibt es einige Maßnahmen, die zwar nicht die Probleme lösen, aber rasch für eine bessere Grundstimmung sorgen. So sollte man sich die Zeit für Zufriedenheitserlebnisse nehmen. Dies kann ein netter Abend mit Freunden sein, Spaziergänge in der Natur, ein Hobby oder ein Theaterbesuch, kurzum: alles, was Freude macht. Auch eine Auszeit in Form eines Urlaubs oder Kur-Aufenthalts lässt die Luft aus dem Dampfkessel entweichen und bringt Erholung. Sportliche Bewegung ist ein gutes Mittel, um die aufgestaute Frustration abzureagieren, nebenbei werden beim Joggen, Radfahren oder Gerätetraining auch noch Stresshormone abgebaut. Bestens geeignet, um sich aus dem Stressmodus auszuklinken, sind Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Qi Gong, Meditation oder Yoga. Durch das regelmäßige Üben wird eine Bahnung im Gehirn ausgelöst, die den Geist mühelos zur Ruhe kommen lässt.

Schließlich gibt es auch Mittel aus der Apotheke, die auf sanfte Weise die Nerven beruhigen, Ängste lindern oder den Schlaf fördern. Diverse pflanzliche Substanzen haben eine lange Tradition als Beruhigungsmittel und zudem den Vorteil, fast nebenwirkungsfrei zu sein. Etliche sind klinisch getestet und Bestandteil von Fertigarzneimitteln, so z. B. die Wirkstoffe von Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse. Lavendel hat die spezifische Qualität, Ängste zu lindern. Als mildes Antidepressivum gilt Johanniskraut. Eine in russischen, baltischen und skandinavischen Ländern schon seit langem verwendete Heilpflanze ist der Rosenwurz. Ihr wird eine „adaptogene“ Wirkung bescheinigt, also eine Verbesserung der Anpassung an Stress. Auch homöopathische Komplexmittel zeigen in Anwendungsbeobachtungen oft eine gute Wirksamkeit. So soll die Kombination aus Passionsblume, Hafer, Kaffeesamen und dem Zinksalz aus Baldriansäure die Entspannung fördern und für mehr Gelassenheit im Alltag sorgen. Auf das medizinische Erfahrungswissen der Maya greift ein anderes Komplexmittel zurück, das als Hauptmittel die mittelamerikanische Damiana-Pflanze enthält. Ihr wird eine psychoaktive, Nervosität und Erschöpfung lindernde Wirksamkeit zugesprochen.

 

Tipp:

Störquellen ausschalten
Heutige Arbeitsalltage sind dadurch gekennzeichnet, dass vieles gleichzeitig passiert: Während man sich konzentrieren muss, klingelt das Telefon, ein Signalton meldet eintreffende E-Mails, Kollegen kommen hereingeplatzt. Solche Störungen des Arbeitsablaufs sind eine nicht zu unterschätzende, unterschwellige Stressquelle, denn nach jeder Unterbrechung braucht man mehrere Minuten, bis man wieder konzentriert beim Thema ist. Es kann hilfreich sein, diese Beeinträchtigungen wenigstens zeitweise abzustellen, z. B. indem man den Computerlautsprecher ausschaltet, ein Telefongespräch nicht annimmt oder die Kollegen auf das Ruhebedürfnis hinweist.